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Willkommen auf dem Medblog "Medizin und Gesundheitspolitik"!

Begriffe wie "Managed Care", "Evidenzbasierte Medizin (EBM)", "Qualitätssicherung", "medizinische Versorgungsqualität", "Effizienz" u.v.m. prägen seit langer Zeit die gesundheitspolitischen Debatten. Benutzt werden sie vorwiegend von medizinischen Laien und medizinfremden Interessegruppen. In deren Mund erscheinen sie als der Schlüssel zu einer besseren Medizin: kostengünstig und zugleich auf dem höchsten medizinischen Niveau.

Substanzielle Statements von Ärzten oder anderen Professionellen sind eine Seltenheit, obwohl sie ja vermutlich etwas zum Thema Qualität und Effizienz in der Medizin zu sagen hätten und deshalb seit vielen Jahren dazu aufgerufen wären, sich öffentlich zu äussern. Mit einer frühzeitigen, einheitlichen Stellungnahme und einer soliden Aufklärung der Patienten hätten sie vielleicht verhindern können, dass das Gesundheitssystem in Deutschland in dieser Weise an die Wand gefahren wurde. Wie auch immer: Heute, nach vielen Jahren aufgezwungener Reformschritte gegen ärztlichen Sachverstand, erkennen Patienten, Ärzte aller Fachrichtungen und auch immer mehr Politiker, dass Budgetierungen und "Managed Care" weder medizinische Qualität sichern, noch Kosten sparen.

Das Gegenteil ist der Fall:

1. Die Gesundheitsreform und der Paradigmentwechsel in der medizinischen Versorgung zu "Managed Care" sichert nicht die Qualität des ärztlichen Auftrags, sondern sie bedeutet eine fortwährende Bedrohung der Versorgungsqualität. Deshalb bedarf das Gesundheitssystem, je weiter die "Reformierung" voranschreitet, immer ausufernder Kontroll- und Regulationsmechanismen.

2. Das heutige Gesundheitssytem ist teurer als es die medizinische Versorgung vor Beginn der Reformen war. Und nachdem ja nun die Freiheit der niedergelassenen Ärzte seit Jahren sukzessive reduziert und inzwischen praktisch abgeschafft wurde, ist evident, dass die Schuldigen woanders sitzen und an den Reformen bestens verdient haben müssen. Denn immer unübersehbarer drängt die Frage: wohin ist das viele gesparte Geld versschwunden…?

Worüber in "gesundheitspolitischen" Debatten kaum gesprochen wird: Was "Qualität" in der Medizin überhaupt bedeutet, wer darüber am besten urteilen könnte und welche Erwartungen kranke Menschen an das Gesundheitssystem haben, welches sie schliesslich selber mit ihren Beiträgen finanzieren.

Mit diesem Blog möchte ich über die eigentlichen Inhalte der ärztlichen und fachärztlichen Tätigkeit informieren und aktuelle gesundheitspolitische Debatten und Entscheidungen sowie die allgegenwärtigen "Schlagworte" aus Sicht des praktizierenden Arztes und Facharztes kommentieren und hinterfragen. Insbesondere möchte ich aufzeigen, wie die "Erfinder" und die "Profiteure" von Manged Care über spezifische "Stellschrauben" die medizinische Tätigkeit manipulieren sowie das Arztgeheimnis und den Schutz der Arzt-Patienten-Beziehung umgehen.

Ich lade Sie ein, sich hier über die Inhalte des Arztberufes zu informieren und freue mich, wenn Sie mit Ihren Kommentaren meine Überlegungen begleiten und erweitern. Als Psychiater und ärztlicher Psychotherapeut sind mir die spezifischen Probleme des Fachbereiches Psychiatrie und Psychotherapie mit "Managed Care", "Evidenzbasierter Medizin", "Standardisierung" , "Budgetierung" etc. besonders vertraut und werden deshalb bevorzugt dargestellt. Sie stehen allerdings beispielhaft für viele andere medizinische Fachbereiche, deren Inhalte in ganz ähnlicher Weise bedroht sind wie in der Psychiatrie.

Freundliche Grüsse

Franz Engels

Facharzt FMH
Psychiatrie und Psychotherapie

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