Was mich besonders stört an den Gesundheitsreformen in Deutschland und in der Schweiz, ist ihre Unehrlichkeit.
Man redet von "Qualität", "Effizienz", "Optimierung der Handlungsabläufen" und erzeugt den Eindruck, Ziel sei eine Verbesserung der Medizin und der medizinischen Versorgung.
Das aber kann nicht die Wahrheit sein. Denn die flächendeckend errichteten Kontroll- und Management-Strukturen, in die das Gesundheitswesen hinein gezwängt wird, haben gar keinen Bezug zu den Inhalten der medizinischen Praxis. Sie bilden nicht ab und sichern auch nicht, was Patienten und Ärzte im gemeinsamen Kampf gegen eine Erkrankung benötigen. Im Gegenteil: sie sind eine Erschwernis für die tägliche ärztliche Praxis und behindern den Patienten dabei, direkt den Arzt seines Vertrauens aufzusuchen!
Gesagt wird, es gehe um die Verbesserung der medizinischen Versorgungsqualität. Was geschieht ist jedoch etwas ganz anderes: Die praktische Medizin wird mit politischem Druck und mit Hilfe eines geschickten Vertragswerkes medizinfremden Inhalten und Zielen verpflichtet, dazu auf ein standardisierbares und kontrollierbares Mittelmass reduziert und in ihren Abläufen fächerübergreifend gleichgeschaltet. Dieselben Abläufe, dasselbe Denken und dieselben Qualitäts-Standards in der Labormedizin wie in der Inneren Medizin, in der Frauenheilkunde oder in der Psychiatrie und Psychotherapie.
Nichts hat das mit den Bedürfnissen kranker Menschen und den vielfältigen medizinischen Gegebenheiten zu tun. Es ist nicht erkennbar, dass die Verantwortlichen dieser Reformen sich überhaupt je mit medizinischen Inhalte vertraut gemacht haben, dass sie verstehen, wie angewandte Medizin funktioniert. Unter den künstlich erschwerten Bedingungen, die sie produzieren, werden Ärzte und Patienten ständig nach neuen Wegen suchen müssen, trotzdem zu Behandlungserfolgen kommen zu können.
Es ist leicht zu erkennen: Der Schwerpunkt der Reformen liegt eindeutig auf Kontrolle und Manipulation und nicht auf Verbesserung der Qualität. Genau deshalb verlangt die "Qualitätssicherung" in solchen Systemen einen derartigen zusätzlichen Aufwand, weil sie nicht, wie behauptet, per se gewährleistet, sondern als Folge der ständigen Manipulationen andauernd bedroht ist.