In letzter Zeit habe ich mehrfach Entlassberichte von Rehabilitationskliniken oder auch Rehabilitationsabteilungen psychiatrischer Kliniken erhalten, die eine deutlich positivere Beurteilung wiedergeben, als es dem tatsächlichen Zustand des Patienten entspricht, den ich bei der ambulanten Nachbehandlung vorfinde und den die Patienten auch selber bei sich wahrnehmen.
Ich vermute, dass dies auf den teilweise unrealistischen "Erfolgsdruck" zurückzuführen ist, der zunehmend auf der stationären Behandlung liegt und immer kürzere Liege- oder Verweilzeiten erzwingt. Die Kürze der Liegezeit ist für manche Reformer offenbar das "Qualitätskriterium" schlechthin.
Rehabilitationskliniken sind diesbezüglich natürlich einem besonders hohen Druck ausgesetzt, denn sie haben ja in hohem Masse Patienten mit chronifizierten Leiden, z. B. chronifizierten Schmerzzuständen, die bekanntermassen eine eher schlechte Prognose haben. Eigentlich müsste sich dies nun folgerichtig in den Entlassbriefen niederschlagen. Z. B. in Sätzen wie: "Trotz erheblichem Aufwand keine wesentliche Befundbesserung" oder "Unter kontinuierlichem Training kam es leider nur zu einer leichten (oder vorübergehenden) Befundbesserung" etc.. Solche Formulierungen jedoch sind – davon kann sich jeder leicht überzeugen – eine Rarität! Der Standard-Bericht attestiert bei Entlassung eine "deutliche Besserung" oder eine "deutliche Stabilisierung", meist in Verbindung mit einer "Arbeitsfähigkeit für leichte Tätigkeiten".
Wenn die Entlassberichte der Reha-Kliniken zutreffend wären, müssten die IV-Anträge wegen chronischer Schmerzzustände deutlich rückläufig sein… Wir wissen: das Gegenteil ist der Fall. Solche Widersprüche sollten aufgeklärt werden, damit nicht irgendwann ein böses Erwachen kommt.