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	<title>Kommentare zu: Psychiatrische Diagnose</title>
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	<description>Medizinisches Weblog eines Psychiaters und Psychotherapeuten</description>
	<lastBuildDate>Wed, 07 Mar 2012 08:54:21 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Von: geo</title>
		<link>http://medblog.franzengels.ch/2007/07/06/psychiatrische-diagnose/#comment-413</link>
		<dc:creator>geo</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Oct 2007 19:16:20 +0000</pubDate>
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		<description>Ich habe heute diesen Blog heute entdeckt. Hier ein paar Gedanken zum Thema Diagnose.

Ich habe ein bisschen ein Problem mit psychiatrischen Diagnosen. Nicht so sehr damit, dass bestimmte Probleme oder Phänomene in Kategorien eingeteilt werden, damit sich Fachleute besser darüber unterhalten können oder damit sich die Forschung auf etwas Gemeinsames, gut Definiertes beziehen kann. Womit ich ein Problem habe, ist die Bewertung, die damit verbunden ist,  dass die eine Sache eine &quot;Störung&quot; ist, einen andere keine. Und dass sich aus dieser Bewertung ein Handlungsplan ableitet, was der Patient zu tun oder zu lassen hat.

Ich denke, dass jeder (erwachsene) Mensch für sein eigenes Leben verantwortlich ist, also für die eigenen Entscheidungen und Ziele, die er verfolgt. Ich denke, das gilt für Patienten genauso wie für Ã„rtzte oder Therapeuten. Damit verbunden ist auch die Bewertung von Dingen oder Handlungen. Sagen wir mal, jemand hört Stimmen. Das ist einfach eine Feststellung. Aber den einen stört das und er möchte etwas daran ändern. Einen anderen stört es aber nicht, sei es weil die Stimmen eher positive sind, oder er aus einem Kulturkreis kommt, wo es einfach üblich ist, derartige Phänomene anders zu bewerten. Der erste möchte vielleicht etwas dagegen tun, der zweite nicht. Meine Meinung ist, das jeder Mensch das Recht hat, eigene Bewertungen vorzunehmen und danach sein Verhalten zu bestimmen. Auch dann wenn er einen Arzt oder Psychotherapeuten aufsucht.

Das Gegenteil davon ist zu sagen: &quot;Sie haben diese oder jene Störung, nun sollten Sie dieses Medikament nehmen, diese Therapie machen&quot;, diese oder jene Intervention ist INDIZIERT. Oder wenn der Patient nicht so will wie der Arzt von NON-COMPLIANCE zu reden.

Damit meine ich nicht, das der Arzt dem Patienten alles erlauben soll. Das gleiche Recht, das der Patient hat, hat auch der Arzt, nämlich von seinen Wüschen zu reden oder Grenzen zu setzen. (Und im übrigen auch die Krankenkasse), z.B. wenn jemand ernsthaft in Erwägung zieht sich selber umzubringen, könnte der Arzt sagen: &quot;Ich möchte, dass sie sich in stationäre Behandlung begeben, anderenfalls möchte ich nicht mehr mit ihnen weiterarbeiten, weil ich mir dann zu grosse Sorgen mache&quot;.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe heute diesen Blog heute entdeckt. Hier ein paar Gedanken zum Thema Diagnose.</p>
<p>Ich habe ein bisschen ein Problem mit psychiatrischen Diagnosen. Nicht so sehr damit, dass bestimmte Probleme oder Phänomene in Kategorien eingeteilt werden, damit sich Fachleute besser darüber unterhalten können oder damit sich die Forschung auf etwas Gemeinsames, gut Definiertes beziehen kann. Womit ich ein Problem habe, ist die Bewertung, die damit verbunden ist,  dass die eine Sache eine &#034;Störung&#034; ist, einen andere keine. Und dass sich aus dieser Bewertung ein Handlungsplan ableitet, was der Patient zu tun oder zu lassen hat.</p>
<p>Ich denke, dass jeder (erwachsene) Mensch für sein eigenes Leben verantwortlich ist, also für die eigenen Entscheidungen und Ziele, die er verfolgt. Ich denke, das gilt für Patienten genauso wie für Ã„rtzte oder Therapeuten. Damit verbunden ist auch die Bewertung von Dingen oder Handlungen. Sagen wir mal, jemand hört Stimmen. Das ist einfach eine Feststellung. Aber den einen stört das und er möchte etwas daran ändern. Einen anderen stört es aber nicht, sei es weil die Stimmen eher positive sind, oder er aus einem Kulturkreis kommt, wo es einfach üblich ist, derartige Phänomene anders zu bewerten. Der erste möchte vielleicht etwas dagegen tun, der zweite nicht. Meine Meinung ist, das jeder Mensch das Recht hat, eigene Bewertungen vorzunehmen und danach sein Verhalten zu bestimmen. Auch dann wenn er einen Arzt oder Psychotherapeuten aufsucht.</p>
<p>Das Gegenteil davon ist zu sagen: &#034;Sie haben diese oder jene Störung, nun sollten Sie dieses Medikament nehmen, diese Therapie machen&#034;, diese oder jene Intervention ist INDIZIERT. Oder wenn der Patient nicht so will wie der Arzt von NON-COMPLIANCE zu reden.</p>
<p>Damit meine ich nicht, das der Arzt dem Patienten alles erlauben soll. Das gleiche Recht, das der Patient hat, hat auch der Arzt, nämlich von seinen Wüschen zu reden oder Grenzen zu setzen. (Und im übrigen auch die Krankenkasse), z.B. wenn jemand ernsthaft in Erwägung zieht sich selber umzubringen, könnte der Arzt sagen: &#034;Ich möchte, dass sie sich in stationäre Behandlung begeben, anderenfalls möchte ich nicht mehr mit ihnen weiterarbeiten, weil ich mir dann zu grosse Sorgen mache&#034;.</p>
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