Ich habe in jeder Woche Konsultationen, die inhaltlich nahezu ausschliesslich von der existenziellen Not der Betroffenen bestimmt sind. Es handelt sich um Patienten, die aufgrund ihrer psychischen Erkrankung zunächst ihren Arbeitsplatz verloren haben (oder gar nicht erst auf dem Arbeitsmarkt Fuss fassen konnten) und mit zunehmender Krankheitsdauer in eine soziale Abwärtsspirale geraten. Diese Patienten sehen sich im Laufe ihrer Erkrankung einem steigenden Druck von verschiedenen Seiten ausgesetzt: von der Taggeldversicherung resp. der AHV, bei längerer Erkrankung oder fehlendem Versicherungsschutz dann vom Sozialamt, vom sozialen Umfeld und je länger je mehr von der eigenen Familie. Wenn dann durch sozialversicherungsrechtliche Schachzüge und Finessen auch die medizinische Anerkennung als "Patient" unterbleibt bzw. in Frage gestellt wird, kommt eine ganz besondere Ohnmacht und häufig auch Kränkung dazu, in die man sich auch als (noch) nicht Betroffener hineinzuversetzen vermag. Abgesehen davon, dass im Falle einer Verweigerung der Versicherungsleistungen der (oft jahrelange!) Weg durch die Instanzen schlagartig zur Sackgasse ohne Ausweg wird.
Es ist völlig klar und leicht nachvollziehbar, dass ein durch Krankheit geschwächter und verwundbarer Mensch, wenn er einer ständigen existenziellen Bedrohung ausgesetzt bleibt und dabei allenfalls auch noch für Frau und Kinder und deren Entwicklung mitverantwortlich ist, im Grunde keinen Raum hat für das, was wir unter "Therapie" verstehen, und dass unter solchen Bedingungen insbesondere eine psychotherapeutische Behandlung im Grunde unmöglich ist. Es fehlen schlicht die Rahmenbedingungen, die für einen Heilungsprozess erforderlich wären.
Die Zusammenhänge sind simpel und in der Sozialpsychiatrie allgegenwärtig: fortgesetzte existenzielle Bedrohung und fehlende Anerkennung bzw. Wertschätzung im Krankheitsfall behindern die therapeutische Arbeit und verschlechtern massiv die Heilungsprognose. Anders gesprochen: Wem ernsthaft an der möglichst raschen Heilung psychisch erkrankter Menschen gelegen ist, muss aus medizinischer Sicht zuallererst (und noch vor jeder speziellen Therapie!) die wichtigsten Rahmenbedingungen gewährleisten:
Rahmenbedingungen für Psychotherapie…
Oder unter welchen Bedingungen kann eine Psychotherapie helfen oder auch einen psychisch kranken Menschen heilen?
Folgende Punkte sind wichtig:
existenzielle Absicherung und
wohlwollendes (verständiges) Umfeld
Meine Ergänzung: 3. und ein m…