Psychische Krankheiten sieht man nicht

Psychisch Kranke werden oft nicht wahrgenommen, denn man sieht ihre Krankheit nicht.

"Viele Behinderte versäumen wegen ihrer Krankheit Fristen bei Verträgen, Versicherungen oder Ämtern und geraten in schwere Existenzkrisen; sie müssten die Möglichkeit haben, Fristen aufzuschieben."

"Behördengänge sind für psychisch Behinderte wegen ihrer Angst vor Menschen unerträglich; notwendig seien daher separate Beratungsräume, Hausbesuche und speziell geschulte Mitarbeiter; ein zugewandtes, wissendes Gegenüber sei für psychisch Behinderte so wichtig wie die Gebärdensprache für Gehörlose, hiess es. Ein Problem ist auch der Behindertenausweis, den viele seelisch Kranke ablehnen, aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren und stigmatisiert zu werden."

"Der Gesetzgeber will helfen, aber er ist nicht fähig, weil ihm die Vorstellung für die Situation der psychisch Kranken fehlt", sagte Kristian Gross. Die Vertreter der Sozialministerien des Bundes und Bayerns, Andreas Schlüter und Burkard Rappl, gaben das zu."

(Süddeutsche Zeitung vom 01.10.2007)

Gesundheitspolitiker in der Schweiz sollten diese Erkenntnisse aus dem Nachbarland Deutschland mit einbeziehen, wenn sie im Zusammenhang mit "Sozialmissbrauch" über Verschärfungen bei Sozialämtern, der RAV oder über den Einsatz von IV-Detektiven nachdenken und diskutieren. Denn "Druck", der zur Demütigung wird, verschlechtert bei psychisch kranken Menschen lediglich die Heilungsprognose.

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