Integrierte Versorgung und Managed Care in der Psychiatrie

Artikelüber Chancen und Risiken neuer Versorgungsformen und aktueller gesundheitspolitischer Entwicklungen

"Schlussfolgerungen

Managed Care basiert auf Ideen, die durchaus geeignete Alternativen oder wichtige Ergänzungen zu bisherigen Versorgungsformen sein könnten. Ob diese konstruktiven Ansätze auch adäquat umgesetzt werden, hängt allerdings von der Strategie der jeweiligen Managed-Care-Organisationen ab. Die Erfahrungen, die diesbezüglich in den USA mit einigen gewinnorientierten Versorgungsanbietern gemacht wurden, sind nicht immer positiv (Leutz, 1999; Sayres, 1999).
Das Potenzial zur Kostenverlagerung und Gewinnerwirtschaftung kann jedoch durch vertragliche Vereinbarungen zwischen Leistungserbringern und Kostenträgern geregelt werden (Sharfstein et al., 1999a). Deshalb bedürfen Verträge zwischen Kostenträgern und Leistungserbringern einer besonders sorgfältigen Planung. Zudem sollten sie eine hinreichend lange Laufzeit haben, um die Implementierung einer koordinierten, innovativen Versorgungsstrategie zu ermöglichen. Darüber hinaus ist es im Interesse der Patienten von zentraler Bedeutung, dass öffentliche Behörden regulierend in die Vertragsgestaltung eingreifen und die Kontrolle über die Arbeit der Managed-Care-Organistionen behalten.
Öffentliche Behörden müssen als unabhängige Instanz auch in die Qualitätssicherung von Managed-Care-Organisationen einbezogen werden (Mowbray et al., 2002). Voraussetzung dafür ist, dass im Rahmen eines gezielten Versorgungsforschungsprogramms geeeignete Indikatoren ausgewählt werden, die eine Beurteilung der Versorgungsqualität sowie eine Bestimmung der Patientenzufriedenheit erlauben und die eine längerfristige Perspektive haben und nicht nur bis zur Entlassung aus der stationären Behandlung reichen.
Besondere Vorsicht ist dann geboten, wenn schwer psychisch Kranke im Rahmen von Managed-Care-Programmen behandelt werden (Manning et al., 1999). Die unter Managed Care angestrebte Reduktion stationärer Behandlungsangebote erfordert gerade bei diesen Patienten eine verbesserte Nachsorge-Planung, zum Beispiel durch Case Management, gemeindepsychiatrische Krisenteams, Hausbesuche, rehabilitative Angebote, soziale Unterstützung, Psychoedukation sowie Beratung und Unterstützung der Angehörigen (Averill et al., 2003). Die Ressourcen, die im stationären Bereich eingespart werden, müssen somit zu einem beträchtlichen Teil in den gemeindepsychiatrischen Bereich investiert werden, um eine qualitativ hochwertige Versorgung garantieren zu können."

Verfasser:
Christiane Roick (Universität Leipzig, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie) und Hans-Helmut König (Uiversität Leipzig, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Stiftungsprofessur für Gesundheitsökonomie)

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