Erfreuliches

Auch erfreuliche Dinge sollen hier mal genannt werden:

  1. Einige Vertrauensärzte kommen regelmässig zu denselben oder lediglich gering abweichenden Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit meiner Patienten.
  2. Die AHV/IV-Rekurskommission hat in dem hier beschriebenen Fall den IV-Entscheid zurückgewiesen und festgestellt,
  • dass Vertrauensärzte der IV nicht, wie damals behauptet, externe und unabhängige Ärzte seien
  • dass im vorliegenden Fall weder die Frage der Zumutbarkeit einer stationären Therapieauflage noch die Frage der zumutbaren Restarbeitsfähigkeit von der Vorinstanz geprüft worden sei und deshalb ohne weitere Untersuchungen gar nicht entschieden werden könne
  • dass der zuständige IV-Vertrauensarzt wesentliche Symptome der psychischen Störung in seiner Entscheidung gar nicht erwähnt hat, obwohl diese seit Jahren konsistent in den Akten von drei vorbehandelnden Ärzte genannt und als gravierend eingeschätzt wurden und mehrere Ärzte genau diese Symptome (und explizit nicht eine Weigerung!) bereits vorwegnehmend als Argument gegen eine Therapieauflage genannt hätten und
  • dass die Zumutbarkeit einer medizinischen Massnahme verhältnismässig sein müsse und umso zurückhaltender zu beurteilen sei, je stärker der dadurch erfolgende "Eingriff in die persönliche Integrität der versicherten Person darstellen" könne

Ich halte die Erkenntnis für wichtig, dass die Beurteilung eines Vertrauensarztes nicht "unabhängiger" ist, als die eines behandelnden Arztes und dass man, wenn man der einen Instanz "Befangenheit" unterstellt, es auch der anderen gegenüber tun muss. Im vorliegenden Fall stehen die Aussagen von drei behandelnden Ärzten aus verschiedenen Behandlungszeiträumen gegen eine Aussage des IV-Vertrauensarztes, der den P. wenige Stunden gesehen hat. Seine abweichende Entschätzung erhielt beim IV-Entscheid trotzdem soviel Gewicht, dass dem P. monatelange Unsicherheit und existenzielle Sorgen zugemutet wurden. Die Situation wurde zusätzlich verschärft, weil das zuständige (auswärtige) Sozialamt dem P. mit Verweis auf den Entscheid reflexartig unterstellte, er widersetze sich der angeordneten Therapieauflage. Die Mittel wurden daraufhin gekürzt, die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit des P. zur ständigen "Verhandlungssache" mit den Mitarbeitern Sozialamtes, was auch das professionelle Helfernetz unnötig stark beschäftigte. Entsprechende Arztzeugnisse waren übrigens völlig wirkungslos, eine eindrückliche und interessante Erfahrung.

Es wäre schön, wenn dieses Urteil bewirken würde, dass zukünftig noch mehr Sorgfalt auf die Untersuchung und Beurteilung der "Arbeitsfähigkeit" und der "Zumutbarkeit" sowie die Interpretation ärztlicher und vertrauensärztlicher Zeugnisse verwendet würde. Solche entscheide haben besonders für Menschen mit psychischen Erkrankungen oft eine grosse Tragweite und können die Behandlung vor Ort und die Heilungsprognose erheblich beeinflussen.

One Response to “Erfreuliches”

  1. […] Ergänzung vom 18.10.2007: Inzwischen hat die IV-Rekurs-Kommission entschieden […]

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