Managed Care: kein Entkommen aus dem Vertrauensproblem

Über die "grosse Menge von normalen Fällen" und das Vertrauensproblem von Managed-Care-Organisationen (MCOs)

In ihrem Buch "Qualitätseffekte von Managed Care" erkennen die Autoren, dass Managed Care ein Vertrauensproblem hat, und sie nennen auch gleich den Grund:

"Managed Care mit schlechter qualität in Verbindung zu bringen gehört teilweise zum guten Ton. Insbesondere wird die Frage aufgeworfen, wie MCOs möglicherweise in Extremsituationen agieren, wenn ein Patient schwerstkrank ist. Weniger wird betrachtet, wie sie sich über die grosse Menge von normalen Fällen verhalten (Reschowsky/Hargraves/Smith 2002, S. 354). Dies dokumentiert nochmals das erhebliche Problem von MCOs, Vertrauen aufzubauen, respektive generall auch die Bedeutung von Vertrauen in der Gesundheitsversorgung."

So argumentiert, wer vorwiegend Geld, Mengen und Statistiken im Blick hat. Die "Leistungserbringer" (Heilberufler) hingegen, die jedem einzelnen kranken Menschen und ihrem therapeutischen Auftrag verpflichtet sind, werden in der genannten Argumentation den neuerlichen Beleg dafür finden, dass Manged Care niemals die bewährte traditionelle medizinische Versorgung ersetzen darf. Das Gesundheitswesen ist kein Discounter. Ein Arzt behandelt keine "Statistik", sondern den jeweiligen Patienten, der ihn konsultiert, und er verantwortet auch nicht die globale medizinische Versorgung eines Landes, sondern die einzelne Behandlung, für die er die Therapieverantwortung übernommen hat.

Es ist doch evident, dass das Vertrauen in ein Gesundheitssystem sich gerade daran festmacht, welche Hilfe in Fällen schwerer und schwerster Erkrankung geleistet wird, wenn also der Kranke ganz besonders bedürftig und abhängig ist. Und ebenso evident ist, gerade die Behandlung schwerer und schwerst kranker Menschen besondere medizinische Kompetenz und Erfahrung benötigt.

Der kurze Textauszug der Buch-Autoren zeigt: Managed Care ist ein Versorgungsmodell, welches eine Duchschnitts-Klientel im Blick hat, die auch mit kostengünstigen Standards ohne Gefahr behandelt werden kann. Es zielt auf Standard-Patienten mit Standard-Krankheiten und nimmt, weil diese die grosse Menge der Patienten darstellen, die Unter- und Mangelversorgung der schwer Kranken und besonders bedürftigen Patienten in Kauf. Das mag sich insofern "rechnen", als die gewährten Ressourcen und Leistungen auf die halb- oder mittelschwer kranken Patienten konzentriert werden. Die Therapieergebnisse von MCOs werden durch diese frühe Risikoselektion natürlich statistisch signifikant steigen. Weder die Verschlechterung der gesamtmedizinischen Versorgung der Bevölkerung, noch der Zusammenhang zwischen Einführungs- und Unterhalts-Kosten der Managed Care-Systeme und Rationierung medizinischer Leistungen werden in den Erfolgs-Statistiken auftauchen.

Dass das "Misstrauen", welches die "Managed Care"-Strategen immer wieder auf ihrem Feldzug gegen die etablierte Medizin sähen, trotz der massiven und sicher auch kostspieligen Propaganda, trotz der Unterstützung durch Politik und Medien und trotz Subventionierung (Prämienrabatte) immer wieder auf sie selber zurückfällt, sollte zu denken geben und als Orientierungshilfe dienen, solange der Zug nicht abgefahren ist.

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