"Eine vom Bundesamt für Sozialversicherungen in Auftrag gegebene Studie schätzt, dass 5 bis 6 Prozent der Rentenzahlungen bei der Invalidenversicherung unrechtmässig erfolgen. Diese Grössenordnung bewegt sich im bisher angenommenen Rahmen."
"Die quantitativen Angaben werden in der neuen Studie mit etlichen Relativierungen versehen. Enthalten in der Quote von 5 bis 6 Prozent sind nämlich der vorsätzliche Versicherungsbetrug, fahrlässige Verstösse gegen das IV-Gesetz sowie sogenannte systembedingte Faktoren, die entweder einem Akteur (versicherte Person, Behörden, Ärzte, Arbeitgeber usw.) zugeordnet oder eben nicht zugeordnet werden können. Welcher Anteil an den unrechtmässigen Rentenzahlungen den einzelnen Typen "nicht zielkonformer Leistungen" zukommt, lässt sich jedoch nicht sagen. Wie viele Betrüger sich unter den IV-Rentnern befinden, ist also weiterhin unbekannt. Und wie viel die Systemfehler zur Quote beitragen, steht ebenfalls in den Sternen."
Interessant sind die Ausführung der Studie über sogenannte "Risikobereiche" für "unrechtmässige Rentenbezüge". Zu diesen gehören laut Studie Menschen mit Schmerzkrankheiten, Erschöpfungszuständen, Depressionen, Überlastete und
"…sehr leistungsbereite "überangepasste" Personen, die durch eine vergleichsweise kleine gesundheitliche Einschränkung leicht aus der Bahn geworfen werden, oder "junge IV-Rentner" mit "Migrationshintergrund""
Wer ausgerechnet die psychischen und psychosomatischen Krankheiten, die wegen ihres besonderen Leidensdrucks sowie ihrer vergleichsweise hohen Chronifizierungsneigung und schlechten Behandelbarkeit besonders häufig zu lang anhaltender Arbeitsunfähigkeit und Berentung führen, pauschal zu "Risikobereichen für IV-Missbrauch" umdeklariert und kategorisch aus der Invalidenversicherung ausschliesst, wird mit dem neuen Vokabular natürlich rückwirkend einige Leistungsbezüge als "Missbrauch" erkennen und zukünftig Millionen von Franken einsparen. Bloss werden Kranke durch solche Tricks nicht nur nie gesund, sondern meist verbittert. Und wenn Menschen mit Schmerzen, Erschöpfung oder Depressionen, mit seelischen Schäden durch Überanpassung oder Migrationshintergrund erst einmal verbittert sind, schwindet der letzte Rest Heilungschance und man kann in der Regel auch langfristig psychotherapeutisch nicht mehr viel bewegen.
Mich würde eine Studie interessieren, die mal untersucht, wie viele rechtlich zustehende (und dringend benötigte) IV-Renten nicht zugesprochen (also per se eingespart) werden, z. B.
Ich wüsste auch gern, wie viele Franken durch solche zustehenden, aber nicht ausgezahlten IV-Renten jährlich "eingespart" werden und hätte dann gerne, dass diese Zahlen in gleicher Weise veröffentlicht und diskutiert würden.