Petition: Für die freie Arztwahl in der Psychiatrie

Vor dem Hintergrund der aktuellen gesundheitspolitischen Bestrebungen, das Recht auf freie Arztwahl zukünftig mit einem doppelten (!) Selbstbehalt von 20% zu büssen und Ärzte zur Bildung budgetgesteuerter Netzwerke zu zwingen, wirbt der Verein PSICA auf seiner Webseite (www.psica.ch) um Ihre Stimme für eine Petition, die zumindest psychisch kranken Menschen weiterhin den freien Zugang zum Psychiater ihres Vertrauens ermöglichen soll.

Inhalt der Petition:

Geht es nach dem Willen des Nationalrates, so sollen in Zukunft die Patientinnen und Patienten bei direktem Aufsuchen des Psychiaters/ der Psychiaterin mit 20% Selbstbehalt (anstatt wie bisher 10%) gebüsst werden.
Mit dieser Massnahme wollen Politiker das sogenannte flächendeckende "Managed Care" mit "Gatekeeping" einführen. Konkret bedeutet das für die Patienten: Wer sich den 20%igen Selbstbehalt nicht leisten kann, wird gezwungen, bei psychischen Problemen immer zuerst den Gatekeeper ("Türsteher"/"Pförtner"), z.B. den Hausarzt/ die Hausärztin, um eine Überweisung zum Psychiater zu bitten.
Wir sind sehr besorgt, denn die Qualität der schweizerischen Gesundheitsversorgung steht auf dem Spiel. Mit der schrittweisen Einführung von flächendeckendem "Managed Care" drohen Zustände wie in England. Dort müssen Patienten sehr lange auf einen ersten Termin beim Facharzt warten, wenn sie überhaupt überwiesen werden, oder sie müssen ins Ausland fahren, um eine medizinische Behandlung zu erhalten.
Erfahrungen mit flächendeckenden "Managed Care"-Netzwerken im Ausland zeigen, dass die Krankenkassen aus Kostengründen ihre Gatekeeper ("Türsteher"/"Pförtner") unter Druck setzen, möglichst wenig Patienten an Spezialärzte zu überweisen. Menschen mit psychischen Problemen lässt man so lange auf eine fachgemässe Behandlung warten, bis sie aufgeben. Die Folgen können schwere gesundheitliche Einschränkungen der Betroffenen bis hin zu Selbsttötung und /oder Gefährdung anderer Menschen sein.
Es gibt bisher trotz mehr als 1500 Studien keinen Beleg dafür, dass durch die Abschaffung der freien Arztwahl Kosten gespart werden (Studie des schweizerischen Gesundheitsobservatoriums Obsan, Peter Berchtold, Kurt Hess, 2006).

Hingegen gibt es wichtige Gründe für den Erhalt des freien und direkten Zugang zum Psychiater/zur Psychiaterin:

  1. Depression oder eine andere psychische Erkrankung kann jede/jeden treffen. Wussten Sie, dass psychische Störungen zu den häufigsten Krankheiten zählen? Was aber, wenn Sie dann nicht mehr frei wählen dürfen, von wem Sie behandelt werden?
  2. Für eine erfolgreiche Psychotherapie müssen sich Patient und Therapeut gut verstehen, zusammenpassen. Nur so kann ein Vertrauensverhältnis entstehen. Um aber den geeigneten Psychiater zu finden, ist die freie Wahl unerlässlich.
  3. Eine Reihe seelischer Probleme hat ihren Ursprung in belastenden Erfahrungen innerhalb der eigenen Familie. Hausärzte betreuen oft die ganze Familie und sind daher nicht immer die geeigneten Ansprechpartner für diese Probleme. Viele Patientinnen und Patienten schämen sich für ihre Schwierigkeiten und sind nicht in der Lage, im üblichen 15-Minutentakt dem Hausarzt /der Hausärztin ihre intimen psychischen Probleme zu erzählen.
  4. Menschen mit psychischen Störungen werden noch immer häufig ausgegrenzt. Die Hürde, sich zuerst einzugestehen, dass man psychische Probleme hat und dann auch noch einen Psychiater/eine Psychiaterin aufzusuchen, ist ohnehin hoch, es braucht keine zusätzlichen Hindernisse. Mit der geforderten Massnahme droht den Patienten mit psychischen Störungen eine zusätzliche Benachteiligung und Ausgrenzung.
  5. Die Früherkennung psychiatrischer Erkrankungen und möglicher Selbst- und/oder Fremdgefährdung darf nicht aufs Spiel gesetzt werden. Die frühzeitige Erkennung und Behandlung psychischer Störungen ist sehr wichtig, sonst werden diese Krankheiten chronisch. Die hausärztliche Versorgung ist unverzichtbar, aber in diesem Fall nicht ausreichend, denn die speziell dafür ausgebildeten Fachärzte erkennen psychische Störungen besser als die fachfremden Gatekeeper ("Türsteher"/"Pförtner").

Bitte unterstützen Sie diese Petition! Jede Stimme wird benötigt. Mit einem kurzen Eintrag auf www.psica.ch sind Sie dabei!

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