Stress im Job macht krank – Positionspapier der DGPPN zum Thema "Burnout"

Was ist ein "Burnout"? Die Frage beschäftigt Psychiater und Therapeuten seit langem. Das Positionspapier räumt ein, dass es nach wie vor keine verbindliche Begriffserklärung gibt. Die Diagnose liege im ärztlichen Ermessen. Der Fachverband empfiehlt, Schlafprobleme, Angespanntheit und Erschöpfungszustände, die vorübergehend auftreten, nicht als Burnout einzustufen. Ansonsten bestehe die Gefahr, das Arbeitsleben zu "pathologisieren".

via Stress im Job macht krank Wissen Nachrichten / PAZ-online.de.

Der zitierte Ausschnitt führt unmittelbar vor Augen, wie es um die aktuelle psychiatrische Diagnostik und Urteilskraft beim Thema "Burnout" bestellt ist. Die Empfehlungen im Positionspapier folgen augenscheinlich bestenfalls dem gesunden Menschenverstand oder der generellen psychiatrischen Erfahrung, dass psychische Gesundheit und Krankheit oft nahtlos ineinander übergehen, dass die Abgrenzung willkürlich ist und dass dauerhafter Stress die psychische Gesundheit beeinträchtigen kann. Eine wissenschaftliche Fundierung gibt es bis dato leider nicht.

Bleibt anzumerken, dass die Behauptung, Burnout sei (noch?) keine Krankheit, sondern eine normale Reaktion, ebenso irreführend ist, wie die Behauptung, es sei eine Krankheit. Denn für beide Behauptungen gibt es keine stichhaltigen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Meine Erfahrung allerdings ist, dass das, was heute geläufig als Burnout bezeichnen, ganz real die Arbeitsfähigkeit zu beeinträchtigen scheint, und dass Depressionen, die im Zusammenhang mit Burnout-Prozessen auftreten zumeist langwieriger verlaufen und schwieriger zu behandeln sind als andere depressive Zustandsbilder. Unabhängig davon, ob man sich auf die Begrifflichkeiten bereits einigen konnte oder nicht.

3 Responses to “Stress im Job macht krank – Positionspapier der DGPPN zum Thema "Burnout"”

  1. […] Franz Engels in Medizinisches Weblog eines Psychiaters und Psychotherapeuten, medblog.franzengels.ch/2012/03/07/stress-im-job-macht-krank-positionspapier-der-dgppn-zum-the…: … Bleibt anzumerken, dass die Behauptung, Burnout sei (noch?) keine Krankheit, sondern eine […]

  2. Jobber sagt:

    Was auch oft unbeobachtet und unbehandelt bleibt sind die Erfahrungen und Erlebnisse beim Job als Arzt. Ob Unfallchirurg, Psychologe, oder Hebamme, jeder auf einer Arzt Stelle erlebt Menschen in schwierigen Situationen die oftmals ausweglos sind oder ein schlechtes Ende nehmen. Es fehlt dort auch ein entsprechendes Betreuungsangebot das die Menge an Problemen auch adäquat auf die Anzahl an Arzt Stellenangeboten und Arzt Stellen berücksichtigen kann.

  3. Konrad sagt:

    Wir lassen uns zu sehr verein nehmen. Wer meint er müsste 7 Tage die Woche rund um die Uhr per Handy oder per Mail erreichbar sein, sich praktisch für unersetzlich hält, braucht sich über Stress im Job nicht zu wundern. Allerdings braucht er sich auch nicht zu wundern, wenn seinen Job bald ein anderer macht

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