Über diesen Blog

Franz Engels, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, www.franzengels.ch

Willkommen auf meinem Medblog zu Fragen der Medizin, der Gesundheit und der Gesundheitspolitik!

Begriffe wie "Managed Care", "Evidenzbasierte Medizin (EBM)", "Qualitätssicherung", "medizinische Versorgungsqualität", "Effizienz" u. a. prägen die gesundheitspolitischen Debatten. Benutzt werden sie vorwiegend von medizinischen Laien und medizinfremden Interessegruppen. In deren Mund erscheinen sie als der Schlüssel zu einer besseren Medizin: kostengünstig und zugleich auf dem höchsten medizinischen Niveau.

Substanzielle Statements von Ärzten oder anderen Professionellen sind eine Seltenheit, obwohl sie ja vermutlich etwas zum Thema Qualität und Effizienz in der Medizin zu sagen haben und deshalb aufgerufen wären, sich öffentlich zu äussern. Stattdessen wird von Standesvertretern fern der Wahrnehmung der Öffentlichkeit und vieler Kollegen der Abschluss von Verträgen vorbereitet, die die ärztliche Rolle und die medizinische Versorgungslandschaft tief greifend verändern werden. Wo falsche Gesundheitsreformen hinführen können, zeigt sehr eindrucksvoll der Blick ins Nachbarland Deutschland. In wenigen Jahren ging viel Qualität und Sachkompetenz verloren. Wo sich vor nicht langer Zeit eines der weltbesten Gesundheitssysteme befand, berichtet heute der "Medizinische Dienst der Krankenkassen" über katastrophale Zustände in Pflegeheimen, mussten Ärzte erstmals in der Geschichte für eine anständige Entlohnung und verantwortbare Arbeitsbedingungen auf die Strasse gehen und werden Politiker allmählich gewahr,

  • dass Budgetierungen und "Managed Care" weder Garant für medizinische Qualität, noch für Kostenersparnis sind und
  • das "Gewinne" keine "Prämiensenkung" bedeuten

Die Schweiz diskutiert zur Zeit über eine Stärkung und vermehrte (ggf. flächendeckende) Etablierung von Managed Care-Organisationen und -Strukturen in der medizinischen Versorgung. Dies bedeutet eine Ökonomisierung und Verbetrieblichung der bisherigen Versorgungslandschaft bzw. die Transformation des Gesundheitswesens in einen Gesundheitsmarkt. Die Motive des angestrebten Paradigmenwechsels sind ökonomischer Natur, das Ziel ist ganz augenscheinlich die Senkung der staatlichen Ausgaben für Gesundheitsleistungen, argumentiert wird über die Begriffe "Versorgungsqualität", Effizienz und "günstig", geködert wird mit der Aussicht auf Prämiensenkung.

Worüber kaum gesprochen wird: Über konkrete Inhalte, z. B. was "Qualität" in der Medizin überhaupt bedeutet, wer darüber am besten urteilen sollte, welche Erwartungen und Bedürfnisse kranke Menschen haben, welche Rahmenbedingungen Heilungsprozesse benötigen etc.

Mit diesem Blog möchte ich über die eigentlichen Inhalte meiner Arbeit informieren und aktuelle gesundheitspolitische Themen, insbesondere die allgegenwärtigen "Schlagworte" kommentieren und hinterfragen. Sie werden sofort erkennen, dass ich Managed Care als Versicherungs- und Versorgungsmodell aus grundsätzlichen Erwägungen ablehne. Ein wichtiger Grund ist die durch Managed Care programmatisch herbeigeführte Ressourcenverknappung, welche besonders für chronisch und psychisch Kranke und Patienten mit langwierigen Komplikationen im Heilungsverlauf zu einem existenziellen Versorgungsrisiko werden kann. Weitere Gründe sind der Wegfall der freien Arztwahl und des freien Zugangs zum Arzt des Vertrauens sowie die Aufweichung des Arztgeheimnisses.

Ich freue mich, wenn Sie mit Ihren Kommentaren meine Überlegungen begleiten und erweitern. Als Psychiater und ärztlicher Psychotherapeut ist mir insbesondere die Situation psychisch kranker Menschen vertraut und wichtig. Dieses Fachgebiet wurde zuerst infrage und unter Kontrolle gestellt (Psychotherapie-Verordnung). Paradigmenwechsel wie Managed Care erfassen aber früher oder später sämtliche medizinischen Fachbereiche. Deshalb ist es gut und klug, wenn Ärzte resp. einzelne Fachbereiche sich in zentralen Fragen des Handwerks nicht vereinzeln und wechselweise für medizinfremde Interessen gegeneinander in Stellung bringen lassen. Die deutsche Hausarztmedizin musste dies schmerzlich erfahren, und die eidgenössischen Hausärzte sollten dies im Blick haben, wenn sie derzeit so umworben werden.

Franz Engels

Facharzt FMH
Psychiatrie und Psychotherapie

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