Blog

Stress im Job macht krank – Positionspapier der DGPPN zum Thema "Burnout"

Was ist ein "Burnout"? Die Frage beschäftigt Psychiater und Therapeuten seit langem. Das Positionspapier räumt ein, dass es nach wie vor keine verbindliche Begriffserklärung gibt. Die Diagnose liege im ärztlichen Ermessen. Der Fachverband empfiehlt, Schlafprobleme, Angespanntheit und Erschöpfungszustände, die vorübergehend auftreten, nicht als Burnout einzustufen. Ansonsten bestehe die Gefahr, das Arbeitsleben zu "pathologisieren".

via Stress im Job macht krank Wissen Nachrichten / PAZ-online.de.

Der zitierte Ausschnitt führt unmittelbar vor Augen, wie es um die aktuelle psychiatrische Diagnostik und Urteilskraft beim Thema "Burnout" bestellt ist. Die Empfehlungen im Positionspapier folgen augenscheinlich bestenfalls dem gesunden Menschenverstand oder der generellen psychiatrischen Erfahrung, dass psychische Gesundheit und Krankheit oft nahtlos ineinander übergehen, dass die Abgrenzung willkürlich ist und dass dauerhafter Stress die psychische Gesundheit beeinträchtigen kann. Eine wissenschaftliche Fundierung gibt es bis dato leider nicht.

Bleibt anzumerken, dass die Behauptung, Burnout sei (noch?) keine Krankheit, sondern eine normale Reaktion, ebenso irreführend ist, wie die Behauptung, es sei eine Krankheit. Denn für beide Behauptungen gibt es keine stichhaltigen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Meine Erfahrung allerdings ist, dass das, was heute geläufig als Burnout bezeichnen, ganz real die Arbeitsfähigkeit zu beeinträchtigen scheint, und dass Depressionen, die im Zusammenhang mit Burnout-Prozessen auftreten zumeist langwieriger verlaufen und schwieriger zu behandeln sind als andere depressive Zustandsbilder. Unabhängig davon, ob man sich auf die Begrifflichkeiten bereits einigen konnte oder nicht.

Vorsicht mit Neuroleptika-Verordnungen in Alten- und Pflegeheimen!

Eine spezielle Gruppe der Psychopharmaka, die sogenannten Neuroleptika, erfreuen sich in Alters- und Pflegeheimen grosser Beliebtheit. Sie kommen zum Einsatz, wenn  Patienten, z. B. im Rahmen einer Demenzerkrankung, verwirrt, erregt oder aggressiv sind. Neuroleptika wirken "antipsychotisch", verringern Ängste und führen so oft zur gewünschten "Beruhigung" der Patienten.

Grundsätzlich hat sich der Einsatz von Neuroleptika zu diesem Zweck bewährt. Da den Erregungszuständen tatsächlich oft psychotische oder psychose-nahe Ängste zugrunde liegen, kann man in diesen Fällen auch von einer "kausalen" Therapie sprechen. Im Gegensatz zu "Beruhigungsmitteln" verursachen Neuroleptika zudem keine Abhängigkeit.

Leider kommt es dennoch in der täglichen Praxis regelmässig zu Problemen, die nach meiner Erfahrung im wesentlichen auf 3 Faktoren zurückgeführt werden können:

  1. Unzureichende Kenntnisse über die Wirkung psychotroper Substanzen auf ein vorgeschädigtes Hirn
  2. Applikation psychotroper Substanzen als "Bedarfsmedikation" durch ungeschultes Personal
  3. Behandlungskosten

ad 1

Menschen mit Vorschädigungen des Hirns, z. B. Demenzkranke, reagieren auf die Gabe psychotroper Substanzen in der Regel ausgesprochen empfindlicher als üblich. Auch das Auftreten sogenannter "paradoxer", d. h. gegenteiliger Wirkungen ist bei solchen Menschen sehr viel häufiger. Die üblichen Dosierungsempfehlungen gelten deshalb für viele Menschen in Alten- und Pflegeheimen nicht und müssen deutlich nach unten korrigiert werden, um das Auftreten teils schwerwiegender Nebenwirkungen oder eben paradoxer Wirkungen zu vermeiden. Aufgrund ihrer stark sedierenden Eigenschaften kommen in Alten- und Pflegeheimen besonders häufig die "niederpotenten" Neuroleptika zum Einsatz, die bei den Betroffenen zu besonders unangenehmen Nebenwirkungen führen. Wird (richtiger Weise) zum "hochpotenten" Neuroleptikum gegriffen, ist dies meist das "alt bewährte" und v. a. Haus- und Notärzten gut bekannte Haldol (Haloperidol), obwohl moderne Neuroleptika wie z. B. Risperdal (Risperidon) ebenso wirksam, aber weniger gefährlich sind.

ad 2

Die Einordnung von Neuroleptika als "Bedarfsmedikation" führt in Heimen in der Regel dazu, dass die Pflegekraft bis zu einer (meist viel zu hoch angesetzten) Höchstdosis nach eigenem Gutdünken über die Abgabe des Medikamentes entscheiden kann. Häufig ist der verordnende Arzt nicht ausreichend über die tatsächlich abgegebene Menge informiert und kann bei Problemen viel zu spät intervenieren. Bei dem knapp bemessenen Personalschlüssel, bei dem es meist gleichermassen an qualifizierten Pflegekräften und an zuständigen Ärzten mangelt, ist die Praxis mit der "Bedarfsmedikation" zwar verständlich. Sie ist aber ethisch bedenklich und dient sicher nicht dem Wohl des Heimbewohners.

ad 3

Moderne atypische hochpotente Neuroleptika sind mindestens zweifach, teilweise ein Vielfaches teurer als das genannte Haldol (Haloperidol). Dafür sind weder Ärzte, noch Pflegekräfte oder die Träger von Heimen und Spitälern verantwortlich. In einem Gesundheitssystem, welches seine Qualität hauptsächlich an den vermiedenen Behandlungskosten misst, werden untereinander konkurrierende Einrichtungen wenn möglich immer preiswerten Präparaten wie dem Haldol den Vorzug geben. Hier handelt es sich um einen systematischen Fehler.

Meine Beratungstätigkeit im Alzheimerforum für die Behandlung von Demenzkranken stützt sich auf folgende Leitgedanken, die auf die Behandlung anderer Patientengruppen mit vorgeschädigtem Hirn übertragen werden können:

  • wenn möglich hochpotentes Neuroleptikum
  • wenn möglich atypisches Neuroleptikum
  • so niedrig dosiert wie möglich! (mindestens auf halbe "normale" Dosis reduzieren)
  • erster Versuch immer mit Risperidon, weil es sich auch unter den atypischen NL am besten bewährt hat und weniger gefährölich ist als andere Substanzen
  • trotz hervorragwender Wirkung Verzicht auf Zyprexa (!) wegen möglicher gefährlicher Nebenwirkungen
  • sehr sparsamer und dann niedrig dosierter Einsatz von Benzodiazepinen (Beruhigungsmittel), meist in Kombination mit Risperdal
  • bei paradoxen Wirkungen sofortige Dosisreduktion (mindestens Halbierung), bei Persistenz Absetzen der Medikation und Neuevaluation

 

 

Durcheinander zwischen den Welten – Welt am Sonntag zur Studie über Muslime in Deutschland

"Wollen sich die Muslime in Deutschland nicht integrieren? Ist Multikulti gescheitert? Hat Sarrazin doch recht? Eine Studie im Auftrag des Innenministeriums erregt die Gemüter. Hauptsächlich deshalb, weil die Erregten sie noch nicht gelesen haben"

Eine erste Rezension der Welt am Sonntag vom 04.03.2012, derzufolge die Inhalte der Studie besser und wegweisender sein sollen, als ihr bisheriger Ruf.

Referendum gegen Managed Care-Vorlage – Die Position der Kinderärzte Schweiz

Stellungnahme der Kinderärzte Schweiz  zur Managed Care-Vorlage und das zustande gekommene Referendum

Deutsches Ärzteblatt: Migration im Kindesalter als Psychoserisiko

Den Hague – Der Kulturschock, der mit der Migration in Länder eines verschiedenen Kulturkreises verbunden ist, geht mit einer erhöhten Rate von Psychosen einher. Eine besondere Gefährdung besteht einer Studie im American Journal of Psychiatry (2011; 168: 1278-1285) zufolge, wenn die Migranten als kleine Kinder ins Land kamen.

via Deutsches Ärzteblatt: Migration im Kindesalter als Psychoserisiko.